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Keine Angst!

12. März 2009

Keine Angst!

 

Gefühle laufen aus wie Rotz,

dein Gang ist mühevoll doch rund.

In deinen Augen blitzt der Trotz,

die Zunge reibt sich gaumenwund.

 

Du gehst es an,

Im Bauch schwimmt dir ein großer Nachen.

Du läufst die Bahn.

Du würgst es raus,

dies kleine Lachen.

 

Warum gebar man dich so klein,

warum war dein Motiv nie rein.

Den Zweifel lügst du dir gerecht,

sprichst von Klugheit, wenn dir Mut gebricht.

 

Kopf hoch, bist auch nur Masse,

keiner zürnt dir, dass du um dich bangst,

es hat ein jeder seine Angst.

Hör auf dich dafür schon zu hassen.

 

Knirschende Steine und drei schöne Mäntel

9. März 2009

Vor kurzem ist meine Mutter gestorben.

Sie liegt jetzt nicht weit von meiner Wohnung begraben.

An Wochenenden, wenn das Wetter es erlaubt, jogge ich an ihr Grab.

Der Friedhof ist sehr groß, mit Kieswegen durchzogen.

Grabsteine feilschen um meine Aufmerksamkeit.

Heute kreuzten drei alte Damen meinen Weg.

Drei Mäntel, zwei Pelze, ein rötlich samtner Stoff.

Eine humpelt. Falten durchziehen die Gesichter, sie reden.

Die Steine knirschen unter ihren Füßen.

Würde man ihren Lebensaft zusammenschütten, so käme sicher kein ganzes mehr zustande.

Sie haben Würde, aber ich muss denken, ob sie ihre Schlüpfer angegelbt haben.

Ich erinnere mich an eine alte Dame, die im HL-Markt einen Schuss Scheiße verlor.

Der Klecks lag am Boden, sie holte ein Stofftachenstuch aus der Handtasche und wischte die Spur des Alters auf.

Der beschmierte Lappen landete wieder in der Handtasche.

Ein schneller geschickter Akt, von mir fein säuberlich beobachtet.

Im Grab verwest meine Mutter.

Die Schlüpfer meiner Mutter waren sauber, als sie entschlief.

Beim Ankleiden für den Sarg habe ich es genau gesehen.

Sie hat mir den Ekel erspart.

Die drei Damen nicht.

Trotz der schönen Mäntel.

 

Gedicht: Du, Himmel

9. März 2009

Du, Himmel!

 

Himmel, du verfressen blauer,

hinter dir vermut ich schlauen

und gelassenen Sinn.

Mit deinen leichten Hauchehänden

Greifst du direkt in meine Lenden.

 

Spielst dich nicht auf

Mit deinem Wolkenhauf

Und in der Nacht erquillt dein Sternenlaich

Mildtrost hinein ins Traumareich.

 

Nicht Ja und Amen ist dein Melden

Brauchst nicht mehr als dich zu gelten.

Und alles schwere Depressive

Verdünnt sich schnell in deiner Tiefe.

 

Saug mich auf

Zu dir hinauf

Dann lass mich kältetränenfett

Herumsielen in deinem Bläuebett.

8. August 2006

 



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